Warum ich nach den Zwillingen noch ein 3. Kind wollte // Das Zwillingsmama-„Dilemma“

Heute kommt mal wieder etwas aus meinem „Nähkästchen“- das Leben mit Zwillingen und einer kleinen Schwester.

Die meisten in meinem Umfeld haben mich, glaube ich, für verrückt erklärt, als ich am 2. Geburtstag der Zwillinge eröffnet habe, dass ich wieder schwanger bin.

Es gab sogar erschrockene Reaktionen, wie beispielsweise: „bist du jetzt total verrückt geworden?“

Nein, war ich nicht und bin ich heute auch noch immer nicht!

Die ersten 1,5 Jahre mit den Zwillingen waren echt verdammt anstrengend und ich hatte nie genug Zeit mich um jedes Kind genug zu kümmern. Ich konnte nie so richtig genießen, dass ich 2 Babys hatte. Ich denke alle Zwillingsmamas kennen dieses Gefühl und das „Dilemma“. Du willst eine gute Mutter sein, du willst für beide immer ganz da sein aber du kannst dich nicht zerreißen und am Ende gehst DU als Mama auf dem Zahnfleisch und gehst daran kapuut. Von „genießen“, dass man nun Kinder hat konnte leider in der Anfangsphase nicht die Rede sein. Ich glaube ihr wisst, was ich meine. Die Einlingsmütter treffen sich entspannt auf einen Kaffee, gehen zum Babyschwimmen etc.

Und wir Zwillingsmamas? Ja wir sind froh, wenn wir einfach nicht ständig 2 Kinder fertig machen müssen, um uns noch mehr Stress zu machen.

Hast du den einen Zwilling angezogen und bist beim zweiten, hat der erste entweder in die Windel gemacht oder gespuckt?

KENNT IHR? Ja, so ist die Realität mit Zwillingen.

Das war bei uns Standard und hat mich anfangs echt fertig gemacht. Ich wollte auch so sein, wie die anderen Mütter und ganz viel mit meinen Kindern machen. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass das eben mit Zwillingen so nicht läuft und habe versucht mich zu entspannen. Das hat nicht immer geklappt aber es hat mir trotzdem geholfen, dass es mir selber damit besser ging. Ich habe aufgehört mich selber fertig zu machen und schlecht zu fühlen.

Ich muss das alles nicht machen!

Ich bin für meine Kinder da und das ist wichtig, richtig und einfach gut so!

Aber es hat auch ein bisschen einsam gemacht, da bin ich ehrlich. Der erste Winter war schrecklich. Ich war neu in der Stadt, die Familie weit weg und ich saß zwischen Pampers, spukenden Kindern und einem Wäscheberg zu Hause. Ab und zu war mir echt zum Heulen. Unser Start und die Geburt waren ja leider auch nicht so richtig toll. Davon hatte ich euch ja hier schon erzählt über die Frühgeburt und Schwangeschaftsvergiftung.

Und wisst ihr was? Genau deswegen, wegen all dieser oben angesprochenen Punkte, wollte ich noch ein Kind!

Zum Teil war es wirklich aus egoistischen Gründen. ICH wollte noch einmal ein Kind. Nur eins, ganz in Ruhe.

Ich wollte all das, was ich mit den Zwillingen nicht erleben konnte, auch noch einmal erleben.

Ich wollte eine normale Schwangerschaft ohne in der 24. Woche im Bett liegen zu müssen. Ich wollte mir beweisen, dass ich das auch kann.

Ich wollte eine normale Geburt ohne Kaiserschnitt!

Ich wollte nicht wieder 5 Wochen im Krankenhaus verbringen, sondern mein Kind, so wie die anderen, nach 2 Tagen mit nach Hause nehmen!

Ich wollte „noch einmal ein Kind zum genießen“ ,

wie meine Blogger und Zwillingsmama Kollegin von „Einer schreit immer“ so treffend zu mir sagte.

Zwillinge und noch ein 3. Kind
Zwillinge und noch ein 3. Kind, Foto: Mama Michi

All das wollte ich und deswegen habe ich meinen Mut zusammen genommen und mich recht kurz nach der Geburt der Zwillinge nochmal für eine Schwangerschaft entschieden. In dem Bewußtsein, dass es 1. wieder Zwillinge werden könnte und 2. dass auch diesmal eine Schwangerschaftsvergiftung und Gebärmutterhalsverkürzung drohen könnten.

Aber ich wurde für meinen Mut belohnt!

Unsere 3. Tochter kam in der 39. SSW per Normalgeburt auf die Welt und ich konnte nach 2 Tagen mit ihr wieder nach Hause. Es war ein bisschen wie eine Heilung für mich nach der schrecklichen Zwillingsgeburt. Ich war einfach nur froh, dankbar und glücklich. Ich bereue zu keinem Zeitpunkt, dass die 3 Mädels vom Alter so eng beieinander sind. Natürlich war es die ersten Wochen hart mit allen dreien, keine Frage.

Aber jetzt ist es toll. Die Großen sind 5 und die Kleine wird bald 3. Es ist perfekt und sie können (meistens) toll zusammen spielen.

Ich habe das erste Jahr mit dem 3. Kind so genossen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Großen waren vormittags im Kindergarten und ich hatte endlich einmal Zeit für das Baby. Einfach nur mal genießen, dass das Baby auf deinem Bauch eingeschlafen ist, mit dem Wissen, dass du nicht gleich aufstehen musst, weil das zweite Kind weint.

Ich konnte sie auch immer bei der Hausarbeit dabei haben, denn jetzt hatte ich ja plötzlich immer eine Hand frei!

Natürlich waren die Nachmittage ganz anders, als wäre sie mein erstes Kind gewesen. Dafür hatten wir aber unsere Mama-Baby-Vormittage und die haben wir genoßen.

Nachmittags musste die Kleine dann natürlich mit, wenn die Großen Programm hatten. Aber das machen die Kleinen dann wirklich super. Sie sind von Anfang an immer dabei und sind es gewohnt, dass es eben so abläuft. Sie richten auch ihre Sclafenszeiten dann so ein. Es wird eben passend gemacht und das ist auch gut so. Der ganze Trubel macht ihnen überhaupt nichts aus und so werden sie gleich zu viel entspannteren Kindern, habe ich das Gefühl. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich bei den ersten Kindern bestimmt genau so gewesen.

Nach einem Jahr habe ich dann wieder angefangen zu arbeiten und alle 3 Kinder waren im Kindergarten bzw. der Krippe.

Ich würde es immer wieder so machen!

Natürlich war es nicht immer einfach, anfangs war beispielsweise das „ins Bett bringen“ ein riesen Problem. Das Baby hatte genau da seine abendliche „Schreiphase“ und die Zwillinge konnten nicht allein einschlafen ohne mich. Ich musste mich irgendwie teilen. Wie ich das gemacht habe und wie es heute so klappt, davon erzähle ich euch dann in einem der nächsten Berichte.

Wer Lust hat, kann auch gern einmal in meinem Bericht über unser Kinder-Familien-Bett reinschmökern.

Eure Zwillingsmama Michi

12 Kommentare

  1. Danke! Dieser Blogeintrag spricht mir aus der Seele! Es trifft genau unsere Situation und wie ich die Schwangerschaft, Geburt und erste Zeit mit meinen Zwergen erlebt habe. Ich bin selber Zwillingsmami und hätte gerne noch ein drittes Kind… von allen Außenstehenden wird man da immer schief angeschaut, so als ob ein drittes Kind absolut nicht akzeptabel wäre in unserer Gesellschaft… momentan wäre es bei uns in der Wohnung leider platztechnisch nicht so einfach, aber mal schauen… abgeschlossen habe ich mit dem Gedanken noch nicht…

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  2. Ich kann das auch total verstehen und irgendwie merke ich gerade auch wieder ein wenig Wehmut weil es mit dem Plan nicht ganz so geklappt hat. Ich bin nun nämlich vierfach Mama, denn unser 3. Kind kam wieder nicht alleine. Aber selbst das ist dieses Mal viel einfacher als bei den großen Zwillingen. Ich bereue nicht es versucht zu haben, auch wenn es wieder ein Kaiserschnitt geworden ist und wieder nicht so entspannt, wie es sicher mit nur einem Baby wäre.
    Ich bin nun glückliche vierfach Mama und verstehe jede Mama die nach Zwillingen noch ein Baby zum genießen mag.

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  3. Hallo liebe Michi, ich bin durch Zufall gerade auf deinen Beitrag gesprochen und habe (bestimmt auch wegen der ganzen doofen Hormone), gerade Pipi in den Augen. Jedes Wort spricht mir aus der Seele. Es stimmt eins zu eins und wenn ich auf unsere vergangen Jahre blicke, hatte ich die ersten 2 Jahre nur sehr wenige Momente, um unser Glück genießen zu können.
    Nun, mit zwei vierjährigen Jungs zuhause sieht das natürlich anders aus. Und ich freue mich so so sehr, dass wir den Schritt gewagt haben, noch einmal schwanger zu sein. Noch ein Baby zu bekommen. Noch einmal alles zu erleben, aber dieses mal hoffentlich noch viel intensiver. Genau so, wie du es beschreibst.
    Danke für deinen Beitrag. Er hat mir viel Mut gegeben Und gleichzeitig die Erkenntnis, dass nicht nur ich so „verrückt“ bin.

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  4. Hallo Michi!
    Hab deinen Beitrag sehr toll gefunden und konnte mich gut in diese Situation hineinfühlen – obwohl ich NOCH nicht Mutter bin. Aber ich bin aktuell mit Zwillingen schwanger und so sehr ich hoffe, die Zeit genießen zu können, wird es sicher anders als mit nur einem Kind.
    Ich habe deinen Beitrag meinem Mann gezeigt und wollte mal wissen was er davon denkt – und er meinte gleich nein, er wollte dann wieder Zwillinge 😀 Kann nur ein Mann sagen, noch dazu einer der noch kein Vater von Zwillingen ist 😀 Er begründet das immer damit: bei einem Einling hat er kein Kind für sich. Er ist unglaublich glücklich dass wir Zwillinge kriegen und er mir nie sehnsüchtig zusehen muss, wie das einzige Kind an mir klebt. Er kann gleichzeitig ein Baby im Tragetuch tragen und mit einem kuscheln. Ist für ihn bessere Gleichberechtigung. Er hat schon lange große Papasehnsucht und freut sich schon irrsinnig auf die Zwillinge 🙂 Will mich also nicht beklagen – aber ich bin gespannt ob und wann er merkt, dass es schon auch anstrengend wird hihi

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  5. Du sprichst mir mit deinen Worten so aus der Seele! Einfach mal nur eins, war so ein inniger Herzenswunsch. Sich nicht zerreißen müssen, eine stinknormale Schwangerschaft, normale Geburt, stillen, Mami Baby Treffen wahrnehmen, mal eben schnell einkaufen mit nur einem Einkaufswagen
    Und nun ? Laufen mir Tränen des Glücks und der Sehnsucht die Wangen hinunter , weil ich mich so mitten im ersten einsamen Zwillings Babyjahr befinde.
    Zwillinge Klappe die Zweite 😂 es ist wunderbar keine Frage, 2x Zwillinge , 2x Pärchen. Perfekter geht es nicht sagen viele. Mein ganz geheimer inniger Wunsch, nach einfach mal eins, dass werde ich nie erfahren, wie das ist . Aber ich glaube an das Schicksal. Und es sollte so sein und wir lieben alle 4 über alles. So anstrengend und kompliziert auch alles wieder ist, es ist wunderbar.

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