5 Jahre Zwillinge – ein Rückblick mit Gänsehaut, Dankbarkeit und einer Träne


Bei all der Freude, die ich natürlich jetzt zum 5. Geburtstag empfinde, kommt jedes Jahr an diesem Tag auch immer die kleine Träne und der Kloß im Hals zurück bei all den Erinnerungen an die Geburt meiner Zwillinge am 24.08.20102.20170825_154053

Party, 5. Geburtstag, alles Paw Patrol und pink/lila. Hurra es geht Allen gut und wir haben 3 Tage lang toll gefeiert. Am Donnerstag mit Oma im Freizeitpark Lochmühle http://www.lochmuehle.de/, am Freitag im Kindergarten und am Samstag bei tollen 30 Grad im Park mit Pfotenschatzsuche und Knochen-Käse-Spießchen. Davon habe ich Euch ja schon hier berichtet.Zwillingsgeburtstag! Hurra endlich 5! – oder die Paw Patrol Hölle für Mama

Vor 5 Jahren hätte ich daran nicht geglaubt, als eher die Schlagworte Zervix- Insuffizienz, Frühchen, Intensivstation sowie Schwangerschaftsvergiftung und HELLP Syndrom Wochen vor der Geburt und leider auch noch 5 Wochen nach der Geburt lang unseren Alltag begleitet haben.

Deswegen möchte ich Euch auch diese Geschichte einmal erzählen, um auch Mut zu machen, dass nicht jeder schlechte Start etwas Negatives haben muss. Denn ich kann Euch sagen, davon merkt man den Beiden heute nichts mehr an. Groß, frech wie Oskar und mutig bei Allem dabei, das sind meine Mädels jetzt. Hilflos, verkabelt, beatmet, einfach viel zu früh aus Mamas Bauch gerissen, 42 cm klein, jaaaa das waren sie mal vor 5 Jahren…. Aber zurück zum Anfang:
Wie alles begannwp-image--163745215
Es ist Januar 2012: eiskalt ist es an dem Tag in Hamburg, ich werde es nicht vergessen: Hurra endlich schwanger! Das Abenteuer beginnt.
März 2012 beim Ultraschall: oh es schlagen 2 Herzen, erst ein kleiner Schock dann doppelte Freude!
Mai 2012: 24. SSW ins Bett gelegt, lahm gelegt vom Frauenarzt, Zervixinsuffiziens, na prima, Langweile hoch 10 und so viel zu tun für den Umzug nach Aschaffenburg. Ich darf nicht mehr ins Büro, kann keine richtige Übergabe mehr machen, ich könnte heulen! So hatte ich mir das mit der Schwangerschaft nicht vorgestellt. Mutterschutz, Käffchen trinken gehen, Erstauststattung kaufen…ha! Von Wegen…im Bett liegen, nur zum Pipi machen aufstehen dürfen, alles Mist! Und dann noch diese fiesen Lungenreife Spritzen in den Bauch, ekelig!
Ende Juli dann endlich der Umzug von Hamburg nach Aschaffenburg.
23.08.2012 Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung und Einlieferung in die Klinik. Eigentlich wollte ich an dem Wochenende noch das Zimmer schön machen. Denn bis zum errechneten Entbindungstermin im Oktober war ja theoretisch noch ewig Zeit. Denkste, Pustekuchen! Ich bin im Nachhinein nur froh, dass ich wenigstens den Kinderwagen schon da hatte, der auch 10 Wochen Lieferzeit hatte.
24.08.2012 ca. 22.00 Uhr Notkaiserschnitt
Bravo, so stellt man sich doch die erste Geburt vor. Der Mann irgendwo in London unterwegs und ich selber direkt nach der Geburt im Delirium, weggetreten.
Ergebnis: Zwei Mädchen mit 2.100 g und 1.750g, 42 cm klein, soweit die Daten.
In der Realität sah es dann aber ein bisschen anders aus:
Beide Mäuse kamen sofort auf die Intensivstation und wurden dort 5 Wochen ganz liebevoll betreut. Sie nahmen weiter ab und gaben den Ärzten leider einigen Grund zur Sorge, da sich anscheinend noch ein Virus eingeschlichen hatte. Dies wurde aber erst viel später attestiert und erstmal wurden viele gruselige Tests durchgeführt. Später im Arztbericht konnte ich dann Worte wie Verdacht auf Darmverschluß, Epilepsie etc. lesen und mir wurde nachträglich nochmal ganz schlecht.
Bei 1.500 Gramm Gewicht stoppte zum Glück die gruselige Achterbahn und von da ging es ein Glück bergauf. Heute wiegen die Damen übrigens schon stolze 20 KG und sind 1,16m groß mit ihren zarten 5 Jahren.
Was war eigentlich mit mir in diesen Wochen dort im Krankenhaus?
Ich war auch dort, die ganzen 5 Wochen….
Ich wachte den Morgen des 25.08.2012 auf und fühlte mich wie in einem Film. Alles war etwas verschleiert und ich konnte kaum aus den Augen gucken. Um mich herum standen mehrere weiße Gestalten und auch endlich mein Mann, der so schnell es ging eingeflogen war. Alle guckten irgendwie komisch besorgt.
Eine Ärztin murmelte nur, das gefalle ihr nicht und ich hörte nur das Wort Intensivstation. Ja Bingo! Da kam ich dann auch hin mit der Diagnose HELLP Syndrom. https://de.wikipedia.org/wiki/HELLP-Syndrom

Eine Woche lang hing ich an Geräten. Selbst nachts wurde alle 15 Minuten lang mit einem dröhnenden Geräusch der Blutdruck gemessen und hat mich am Schlafen gehindert. Oder es hat sonst einfach irgendwo gepiept oder geblinkt.
Jede Sekunde in diesen Tagen und Nächten, habe ich mich gefragt, wie es meinen Babies geht. Ob sie wohl beide noch leben? Ich hatte sie seit dem Moment der Geburt nicht mehr gesehen. Ich hatte eine wahnsinnige Angst, dass irgendetwas Schlimmes passiert ist und mir keiner etwas sagt, damit ich wenigstens gesund werde.
Zum Glück gab es bald die ersten Fotos der beiden Mäuse. Ich werde es nie vergessen. Der Schnuller im Mund war größer als der Kopf, so sah das Bild aus. Heute lachen wir noch so oft über dieses Bild.
An dieser Stelle möchte ich einem ganz besonderen Menschen danken, ohne den ich diese Woche dort auf dieser schrecklichen Station sicher nicht ausgehalten hätte. Es geht um eine wahnsinnig tolle Krankenschwester, sie hat Alles versucht, um mir den Schmerz zu erleichtern und mir die Angst zu nehmen. Sie heißt Angelika Eichelsbacher, arbeitet im Klinikum Aschaffenburg und ich bin ihr sehr dankbar und denke noch oft an sie! Danke Angelika, du bist toll! Und dann kam er enlich der Tag, an dem ich meine beiden Mädels in die Arme schliessen durfte. Ich war fix und fertig aber einfach nur glücklich.wp-image--1263411740

Ein 3. Kind!?
In diesen Tagen war ich ganz weit entfernt auch nur darüber nachzudenken, ob ein weiteres Kind in Frage kommen könnte. Ehrlich gesagt, war ich einfach nur dankbar, dass wir alle 3 überlebt hatten.
Wenn ihr meinen Blog oder mich auf Facebook verfolgt, wisst ihr aber sicher schon, dass wir nicht 2 sondern doch 3 Kinder haben.
Am 24.08.2014, direkt am 2. Geburtstag der Zwillinge stand es auf dem Teststreifen : schwanger!
Es war irgendwie ein merkwürdiger Zeitpunkt dafür, genau am Geburtstag der Zwillinge, genau an dem Tag, der vor 2 Jahren der schönste und zugleich schlimmste Tag im Jahr 2012 für mich gewesen ist.
Dieser Tag sollte in 2014 ganz großes Glück bringen. Meine Gefühle waren gemischt, natürlich hatte ich neben all der Freude über ein weiteres Kind ganz viel Angst.
Was ist, wenn es wieder zu einer Zervix-Insuffizienz kommt und ich mit 2 kleinen Kindern zu Hause liegen oder, noch schlimmer, ins Krankenhaus muss, Wochen vor der Geburt.
Was ist, wenn es wieder Zwillinge werden?
Was ist, wenn ich wieder eine Schwangerschaftsvergiftung und somit eine Frühgeburt habe?
Was ist, wenn ich mich wieder nach der Geburt nicht um das Kind kümmern kann?
Das schaffe ich Alles nicht, habe ich mir gedacht.

All diese Dinge gingen mir durch den Kopf. Immer und immer wieder. Aber unser Mut zu einem dritten Kind und einer weiteren Schwangerschaft wurde belohnt.
Wisst ihr, was das erste war, was ich beim Ultraschall gefragt habe!? Ich Rabenmutter habe nicht gefragt, ob das Herz schlägt… ich habe zuerst gefragt: WIE VIELE SIND ES!?
Es war nur eins, ein kleines Mädchen. Heute ist diese kleine Maus auch schon 2 Jahre alt. Genau heute kommt sie in den Kindergarten. Aber davon erzähle ich euch dann noch einmal separat.
In dieser Schwangerschaft lief (fast) alles nach Lehrbuch. Das Tollste war am Ende, dass ich sogar eine Normalgeburt erleben durfte und nach 2 Tagen Krankenhaus wieder zu Hause war. So wie es eben sein soll!
Rückblickend würde ich immer eine Normalgeburt einem Kaiserschnitt vorziehen. Und ich weiß wovon ich spreche ;-).
Ich möchte an dieser Stelle all den Frauen Mut machen, die vielleicht beim ersten Mal keine so einfache Schwangerschaft und/oder Geburt hatten. Wenn ihr Euch noch ein Kind wünscht, dann seid mutig und ihr werdet bestimmt belohnt.
In diesem Sinne werde ich jetzt als Belohnung in mein Bettchen fallen, bevor gleich eine der 3 Damen schon wieder ruft: „ Mama, es ist schon morgens!“.
Wenn ihr mögt, freue ich mich sehr über eure Geschichten zur Schwangerschaft und Geburt.
Alles Liebe Eure Zwillingsmama Michi plus Eins

6 Kommentare

  1. Ich bekomme Gänsehaut beim lesen. Schön das es euch allen gut geht. Ich würde eine normale Entbindung auch immer einem Kaiserschnitt vorziehen. Unsere große kam 2012 spontan auf die Welt und unsere Zwillinge 2015 per Kaiserschnitt (ging leider nicht anders) Toller Blog übrigens☺️ LG Angelika

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  2. Ich weiß, was Du meinst: Mein Mann hat mich bei der zweiten Schwangerschaft am Tag des positiven Schwangerschaftstests zur Frauenärztin geschleppt, nur um zu klären, ob es eins oder zwei werden, nachdem ich ihm die Frage leider nicht beantworten konnte. Ich weiß allerdings nicht, was er getan hätte, wenn es wieder zwei geworden wären:
    Die „Großen“ waren zu diesem Zeitpunkt gerade mal ein gutes Jahr alt und schon ein weiteres Kind passte nicht mehr in unsere Wohnung. Der eine schlief im Flur hinter der Haustür und der andere hatte sein Bettchen neben dem Esstisch und wir verbrachten unsere Abende im Schlafzimmer, weil wir sonst keinen Platz mehr hatten (mit Ausnahme des Badezimmers, wo es nicht wirklich gemütlich war).

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