„Bilderbuch-Vorbilder“ versus realistische Mütter // Darf Mama (auch mal negative) Emotionen zeigen?

Heute war ich mal das trotzige Kind. Rollentausch bei uns zu Hause:

Ich hatte mich so auf den Tag gefreut. Das Wetter war ja sogar richtig toll.

Und dann kam alles anders als gedacht.  Es fing damit an, dass mir der Kaffee runtergefallen ist, direkt komplett auf meine Lieblingshose und auch noch meine geliebte Tasse dabei zu Bruch ging. Bravo! Sowas macht mich zur Zeit schon total traurig, obwohl es nur ein bisschen Porzellan ist. Es ist aber auch ein Andenken an meine Zeit vor den Kindern. Ein Mitbringsel aus Dänemark von einer meiner Reisen. Ich habe diese Tasse so geliebt und sie hat mich immer, wenn ich mal traurig war, an wunderbare Erlebnisse erinnert. Wenn ich mal wieder eine durchwachte Nacht hatte, habe ich mich auf einen Kaffee aus genau DIESER Tasse gefreut. Habt ihr auch solche Erinnerungsstücke im täglichen Gebrauch in eurem „neuen“ Leben als Mutter?

Der Tag ging dann auch irgendwie nicht gut weiter, lag natürlich daran, dass ich die ganze Zeit latent grundgenervt  war.

Abends habe mich dann auf einmal gefühlt wie ein trotziges Kind. Wie es letztendlich genau dazu kam, weiß ich eigentlich auch nicht mehr. Es war die Summe von vielen kleinen Dingen. Es geht jetzt eigentlich seit ein paar Wochen so und ich bin irgendwie müde….

Keine Lust und keine Kraft mehr

Mama in der Trotzphase
Mama in der Trotzphase

Ich habe einfach keine Kraft mehr. Keine Kraft, um abends noch einmal eine neue Runde in den Ring mit meinen Kindern zu steigen. Keine Lust, wieder und wieder rumzumeckern. Es hört mir ja doch keiner zu. Räumt bitte das Zimmer auf, hört auf, Euch zu streiten. Krümelt bitte nicht das ganze Wohnzimmer voll…bla bla bla usw. etc. pp….

Kennt ihr diese Situationen, in denen ihr Euch ausgebrannt fühlt und einfach nicht mehr mögt? Ich mag mich dann auch selber gar nicht aber ich kann es in dem Moment einfach nicht abstellen.

Ich habe mich dann mal in ein anderes Zimmer gesetzt und nichts mehr gesagt, sondern einfach mal gewartet. Aber keiner hat mich vermisst.

Heute, da bin ich ganz ehrlich, fand ICH meine Kinder einfach doof und gemein. Ich habe mich so gefühlt, wie sich wohl meine Kinder sonst, wenn es „blöde und gemeine Mama!“ heißt. Ich fühle mich, wie ein trotziges Kind aber ich wollte auch einfach mal trotzig sein dürfen. Aufgestaut und einfach nur mal, weil ICH es so wollte! Dürfen wir Mütter nicht auch einmal so sein? Meine Kinder haben jeden Tag mal so ihre 5 Minuten oder mehr.

Sonst ist es ja immer andersrum. Die Kinder dürfen trotzig sein und Mama ist immer die Böse. Das ist ja die Standardverteilung.

Aber ganz ehrlich, wir sind ja auch nur Menschen mit guten und schlechten Tagen und keine „Alltags-Maschinen“. Auch wenn wir Mütter immer irgendwie latent das Gefühl haben, dass wir genau das sein müssten/sollten. Es wird doch von uns erwartet gute Vorbilder zu sein oder etwa nicht?

Ich finde, Mama darf auch einfach mal mit einem miesen Gefühl ins Bett gehen und muss nicht immer abends noch den

„ICH-HAB-EUCH-DOCH-ALLE-LIEB“-Modus

einschalten. Besser fühle ich mich dann zwar auch nicht aber ich verdrehe mich eben dann auch nicht zusätzlich, weil es von mir erwartet wird.

Mütter sind tatsächlich eben auch nur Menschen und das ist auch gut so! Irgendwo muss auch das Ventil für unsere (manchmal eben auch negativen) Emotionen sein.

Das dürfen auch die Kinder ab und zu mitbekommen. Ich habe zwar immer ein total schlechtes Gewissen, wenn meine Tochter mich dann fragt, ob ich „schon wieder“ genervt bin. Aber ganz ehrlich, darf ich das nicht auch einmal sein oder müssen wir Mütter immer nur „gute Bilderbuch-Vorbilder“ sein und negative Emotionen vor unseren Kindern komplett verstecken?

Bedeutet Vorbild sein nicht auch, Ihnen Realität beizubringen?

Ich denke ja! Auch unsere Kinder müssen ja lernen und erkennen, dass auch wir Grenzen haben und dass auch eine Mama mal nicht mehr kann. Auch für das weitere Leben unserer Kinder ist es wichtig, dass sie lernen damit umzugehen um auch später in der Lage zu sein, zu erkennen, was zumutbar ist und was nicht. Oder vielleicht sogar Trost zu spenden und einfach mal zuzuhören, was los ist.

„Mama, bist du traurig?“ oder „Mama, was ist denn“? sind relativ neue Sätze meiner fast 6 jährigen Zwillinge. Ich finde es wichtig, dass die Kinder selber erkennen, dass es auch mal der Mama nicht gut geht und dass dann die Kinder auch mal zurückstecken müssen. Wir machen immer alles für die Kinder und versuchen uns nie etwas anmerken zu lassen. Aber auf Dauer ist das auch nicht gesund und realistisch!

Also Mamas, traut euch auch mal, eure Gefühle zu zeigen und schaut einmal, was das mit euren Kindern macht.

Meine 3 haben neulich still und leise ihr Kinderzimmer aufgeräumt und haben mich dann geholt, um es mir zu zeigen. „Wir wollten dir eine Freude machen, Mama!“ Boah, da war ich echt baff und habe mich sehr gewundert und gefreut. Und dann kam noch der Zusatz „Als Entschuldigung, weil wir vorhin so gemein zu dir waren.“

Am Rande kam dann noch die Info, dass die Zwillinge sich lieber „nur ein Kind „anschaffen“ wollen“, weil das sonst viel zu anstrengend sein.

Tja, was soll ich dazu sagen… Ich liebe sie natürlich trotzdem und natürlich immer aber an manchen Tagen finde ich sie einfach auch mal doof und gemein, so wie meine Kinder mich auch oft genau so finden!

Wie geht ihr mit solchen Momenten um?

Was sind eure Tricks bzw. wie reagieren eure Kinder, wenn ihr mal nicht mehr könnt oder alles doof findet?

Ich bin gespannt, eure Zwillingsmama Michi

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