Wer Schwimmen kann, kann Leben retten! // Können Eure Kinder Schwimmen?

Immer wieder höre ich davon, dass Erwachsene nicht Schwimmen können. Ich verstehe, dass wir Erwachsene, teils aus Schamgefühl, uns nicht mehr trauen, Fähigkeiten zu erlernen, die wir eigentlich als Kind hätten lernen sollen.
Aber warum?
Warum lernen Kinder heute eher wie ein Tablett funktioniert, als eine lebensrettende Fähigkeit, wie das Schwimmen?
Ich verstehe es nicht. Ist es heute eher cool am Badesee Selfies zu machen und dafür muss man ja nicht Schwimmen können oder woher kommt diese Entwicklung?
Hierzu habe ich ein interessantes Interview mit der DLRG vom 09.06.2017 aus der Zeit gelesen:
Titel „Deutschland wird zum Nicht­schwimmer­land“
Diese Worte der DLRG haben mich erschrocken: „Mehr als die Hälfte der zehnjährigen Kinder sind Nichtschwimmer. Bei den Erwachsenen sind es knapp 50 Prozent. Schon 2005 konnte sich ein Drittel der Zehnjährigen nicht sicher im Wasser bewegen. 2010 war es jedes zweite Kind, nun sind wir bei 59 Prozent, die nicht richtig schwimmen können. Gleichzeitig ertranken in den vergangenen beiden Jahren wieder deutlich mehr Menschen. Das sind dramatische Entwicklungen.“ (Zeit online 09.06.2017)
Das ganze Interview zu dem Thema findet ihr übrigens hier.
Schwimmen lernen
Schwimmen lernen (Foto: Pixabay)
Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn ich an einem Badesee mein Kind, ein anderes Kind oder einfach einen anderen Menschen retten müsste und es einfach nicht könnte, weil ich nicht Schwimmen kann.
Diese Vorstellung ist für mich einfach nur gruselig und verursacht mir eine Gänsehaut.
Ich habe 3 Kinder und habe mich in den letzten Jahren nie an einen Badesse oder ins Schwimmbad getraut. Es war so schade für die Kinder und eben genau deswegen wollte ich das genau vor einem Jahr für den Sommer 2017 ändern!
Deswegen war mein ganz klares Ziel, dass meine Zwillinge bis zum Sommer 2017 Schwimmen lernen sollten.
Sie waren zu diesem Zeitpunkt gerade 4 Jahre alt geworden. Aber da hatte ich die Rechnung ohne die Schwimmschulen und Kurse in unserer Region gemacht.
Leider ließ sich das nicht so einfach umsetzen wie erhofft. Fast alle Schwimmschulen lehnten sie mit dem Argument, dass sie noch zu jung wären, ab. Dies fand ich sehr schade, da ich es extrem wichtig finde, dass die Kinder schon früh lernen, sich über Wasser zu halten und sich im Notfall zumindest an den Rand retten können.
Selbst bei der kinderärztlichen Untersuchung U9, die im Alter von 5 Jahren durchgeführt wird, steht, dass es jetzt vor dem Schuleintritt Zeit wäre, das Schwimmen zu erlernen.
Schön ist in dem Zusammenhang dann, dass die meistens Schwimmschulen, die Kinder erst mit 6 Jahren aufnehmen. Warum ist das so und warum arbeiten dann nicht Kinderärzte und Schwimmschulen da besser Hand in Hand!?
Die Anforderungen an unsere Kinder werden mit dem Schuleintritt ungleich höher, als sie es bei mir damals waren. Wäre es da nicht toll, wenn die Kinder schon vorher ein „to-do“ von ihrer Liste des Lebens streichen könnten? Wäre es nicht sinnvoll, wenn das letzte Kindergartenjahr dazu genutzt werden könnte, hier Schwimmen zu lernen.
Dann können die Kinder sich in der Schule auf Mathe, Deutsch und Co. konzentrieren.
Schwimmkurse für Kinder Aschaffenburg
Schwimmkurse für Kinder, Foto: Mama Michi
Wir hatten am Ende nur bei einer privaten Lehrein Glück und das auch nur Dank Facebook und einem Zufall. In einer kleinen Gruppe mit 3 Kindern lernten sie Anfang 2017 Schwimmen. Am Ende der 10 Stunden machten meine Zwillinge ihr Seepferdchen und waren so stolz. Ich war einfach nur erleichtert. Ich konnte mich auf den bevorstehenden Sommer endlich so richtig freuen. Natürlich bedeutet das Seepferdchen nicht, dass man die Kinder jetzt unbeaufsichtigt im Wasser lassen kann. Aber es gibt Ihnen viel Sicherheit und weiteres Üben gehört selbstverständlich weiter dazu. Hier müssen wir als Eltern dann wieder ran und regelmäßig mit den Kindern Schwimmen gehen. Hierzu noch ein weiteres Zitat aus dem DLRG Bericht:
„Viele Eltern meinen, das Seepferdchen sei für das Kind genug. Ein großer Irrtum. Wer das Seepferdchen schafft, hat lediglich bewiesen, nicht sofort unterzugehen. Mit dem Seepferdchen gewöhnen wir Kinder ans Wasser, schwimmen lernen sie alleine damit aber nicht.“(Zeit Online 09.06.2017)
Seitdem sind meine Mädels richtige Wasserratten und haben super Spaß im Wasser. Ich freue mich schon auf den nächsten Sommer 2018, wenn die beiden wirklich richtig gut Schwimmen können und evtl. sogar ihr Bronze Abzeichen machen dürfen. Dann kann ich endlich entspannt mit allen 3 Kindern die heißen Sommertage auch am See oder im Schwimmbad so richtig genießen, ohne dass ich Angst haben muss, dass mir jemand ertrinkt.
Ehrlich gesagt, verstehe ich bis heute nicht, warum die meisten Schwimmschulen Schwimmlernkurse erst ab 5 oder sogar 6 Jahren anbieten. Ich finde es so wichtig für Kinder und auch uns Eltern, dass die Kinder Schwimmen können.
Im Bericht, was wir von unseren Kindern erwarten, ging es ja um ein ähnliches Thema. Hier ging es mir aber darum, was die Gesellschaft und somit auch wir von unseren Kindern (evtl. fälschlicherweise) erwarten. Darum geht es mir hier nicht. Hier möchte ich einfach nur sagen, dass es Fähigkeiten gibt, die unsere Kinder viel schneller lernen als Erwachsene und dass es lebenswichtig sein kann. Diese Fähigkeiten sollten wir den Kindern so schnell wie möglich vermitteln und dazu gehört meiner Meinung nach auch das Schwimmen, denn es kann Leben retten. Dein Eigenes oder das eines Anderen.
Dazu kommt noch, dass, wie oben angesprochen, sich sicher ältere Kinder oder Erwachsene schämen, wenn sie nicht Schwimmen gelernt haben und es evtl. sogar aus dieser Scham heraus, sich nie trauen, zu lernen. Das finde ich sehr schade und dem sollte jede Mutter und jeder Vater unbedingt entgegenwirken.
Ich selber habe übrigens das Schwimmen auch erst in einem Alter von 7 Jahren erlernen dürfen. Ich erinnere mich sehr genau, dass ich sehr darunter gelitten habe, als alle meine Mitschüler bereits Schwimmen konnten. Bei mir lag es allerdings nicht an meinen Eltern, sondern daran, dass ich auf Grund verschiedener operativer Eingriffe an meinen Ohren, nicht ins Wasser durfte.
Wie habt ihr es mit Euren Kindern gemacht? Habt ihr ihnen das Schwimmen selbst beigebracht oder haben sie es in der Schule gelernt? Ich bin sehr gespannt auf Eure Erfahrungen und Meinungen zu dem Thema.
Eure Zwillingsmama Michi

 

25 Kommentare

  1. Meine Maus kann Gott sei Dank schwimmen 🙂 sie hat mit 4 Jahren sogar schon Ihr Bronzeabzeichen gemacht :-). Ich finde es gibt nichts wichtigeres als schwimmen zu können. Gerade da wir hier in der Umgebung viel Wasser haben ( Main und ein paar Seen) ist es um so wichtiger.

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  2. Huhu!
    Ich finde es super wichtig das au h die kleinsten schon schwimmen lernen und vor allem, dass sie es nicht wieder verlernen.
    Meine kleine Maus schwimmt jetzt seit sind 2 3/4 ist mit einem Schwimmgürtel beim schwimmkurs alleine durchs Becken! Seit sie 8 Monate alt War, gehen wir immer wieder zum Schwimmkurs. Dem 4ten haben wir gerade abgeschlossen.
    Liebe Grüße
    Sabrina

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  3. Ich finde schwimmen unglaublich wichtig, dennoch sollte das eigene Tempo des Kindes immer berücksichtigt werden. Kinder sollen ja Spaß daran haben und gerne schwimmen lernen. Für unsere sehr empfindsame Frieda wäre ein Kurs (jetzt mit 3) viel zu schlimm – da bin ich mir sicher. Trotzdem gehen wir allerdings recht regelmäßig ins Schwimmbad.

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  4. Leidiges Thema hier. In Frankfurt gibt es schon Schwimmkurse ab 3 und ich wollte gerne, dass mein Sohn möglichst früh schwimmen lernt. Aber leider hat er Angst vor tiefem Wasser und keiner kann ihn dazu bewegen, mitzumachen. Jetzt wird er bald 6 und hat eben kein Seepferdchen. Kann ich leider nicht ändern, aber zwingen bringt ja auch nichts. Lg Steffi

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  5. Hier kann noch keiner allein schwimmen ! Noel ist ja am Sonntag erst 2 geworden – und Jerry ist ja generell langsamer 😉 aber ich hoff so sehr , dass er auch irgendwann alleine schwimme kann! Ich würde es mir so sehr für ihn wüschen da er echt ne Wasserratte ist

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    • Ohh Glückwunsch nachträglich auch wenn der Tag nicht ganz so war, wie er hätte sein sollen. Hoffe es geht Jerry besser. Ich drücke euch die Daumen und auch, dass es mal klappen wird mit dem Schwimmen. LG Michaela

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  6. Bei uns sind die Seepferdchenkurse auch erst ab 5 1/2, ABER zum Glück kann man ab 4 einen Wassergewöhnungskurs ohne Eltern machen und wenn die einen weiterempfehlen, darf man auch direkt schon mit 4 in den Seepferdchenkurs. Die Regelung finde ich eigentlich ganz gut, denn wenn man vorher keine Erfahrung mit Wasser hat wird man auch quasi nicht direkt „ins kalte Wasser“ geschmissen 👍 aber es gibt auch allgemein zu wenig Plätze und da wundert es mich nicht, dass es viele nicht mehr lernen…

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  7. Hallo Zwillingsmama,
    Das mit dem Schwimmenlernen ab 5 wurde mir in meiner Trainersusbildung so vermittelt:
    Wenn man sich ein Baby anschaut hat der (schwere) Kopf einen großen prozentualen Anteil am Gesamtkörper, beim Erwachsenen ist der Kopf im Vergleich zum Gesamtkörper prozentual kleiner.
    Circa ab 5-6 Jahren haben Kopf und Körper ein Verhältnis erreicht, bei dem es dem Durchschnittskind zuzutrauen ist beim Schwimmen den Kopf über Wasser halten zu können. Vorher geht das natürlich auch, braucht aber mehr Krafteinsatz vom Kind.
    Irgendwann in der Pubertät ist das Kopf-Körper-Verhältnis und damit der Körperdchwerpunkt in Schwimmlage dann übrigens optimal. Im „Alter“ verwächst sich das leider wieder.
    Nichtsdestotrotz schadet es nicht so früh wie möglich sein Kind mit dem Element Wasser vertraut zu machen.
    Gerne auch nur toben, planschen und entdecken im Baby- und Nichtschwimmerbecken.
    Hoffe das gelingt mir als Neu-Mama auch so wie ich mir das vorstelle 😉
    Liebe Grüße
    Tine

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  8. Ich finde es auch sehr wichtig ,das die kleinen sich früh über Wasser halten können. Da es wenig Angebote für unter 5 jährige gibt, machen wir es selber, das wir regelmäßig mit ihm ins Schwimmbad gehen. Er kann sich jetzt fast 3,5Jahre mit dem Schwimmkissengürtel gut über Wasser halten und paddelt zum Beckenrand.

    Warum ichbjetzt schon so hinterher bin? Wir sind Dauercamper an einem schönen See.

    Auch ich konnte dadurch schon früh schwimmen. Da waren meine Eltern sehr hinterher.

    Ich hoffe das wir einen passenden Schwimmkursplatz finden.

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